Landhandel

Bauern im globalen Wettbewerb

Von Inken Schönauer · 2015

Der Landhandel ist schon längst kein lokales Geschäft mehr. Die ausländische Konkurrenz verschafft sich ebenso Zutritt zum deutschen Markt wie deutsche Händler in neue Märkte vorstoßen. Das erfordert auch neue Methoden der Absicherung. Ganz spannungsfrei ist das nicht.

Die Zeiten, in denen Bauern Nahversorger waren, sind lange vorbei. Längst muss sich auch die Landwirtschaft mit Vokabeln wie Globalisierung oder Digitalisierung befassen. Die Konkurrenz aus anderen Ländern ist groß. „Die deutsche Ernährungsindustrie ist als drittgrößter Industriezweig Deutschlands zunehmend auf den Export angewiesen, um die Produktion und Beschäftigung in Deutschland zu sichern“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (bve) kürzlich in einer Stellungnahme. Die Ausfuhren der Ernährungsindustrie haben sich seit 1998 mehr als verdoppelt, sie nahmen um gut 168 Prozent zu, heißt es in der Publikation „Die Ernährungsindustrie in Zahlen 2015“ des bve. 

Versuch der Preissicherheit 

Dass sich der Landhandel heutzutage viel mehr mit Export und neuen Technologien befassen muss, dazu hat beispielsweise die zunehmende Deregulierung von Märkten für Agrarprodukte in der Europäischen Union beigetragen. Aber auch Klimawandel und Bevölkerungswachstum haben einen erheblichen Anteil an dem Wandel in der Landwirtschaft. 
Landwirte versuchen dabei immer mehr, sich mit sogenannten Warentermingeschäften abzusichern. Dabei wird versucht, zu erzielende Preise planbarer zu machen. Das ist nicht unumstritten. Viele Banken haben sich mittlerweile aus dem Handel mit Agrarrohstoffen zurückgezogen, wird doch immer wieder diskutiert, ob die Spekulation auf Lebensmittel auch zu Verwerfungen auf den Agrarmärkten führt. 
„Landwirte, Händler und Nahrungsmittelhersteller nutzen mittel- oder unmittelbare Termingeschäfte zur Absicherung von Preisschwankungen bei Agrarrohstoffen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung verschiedener Spitzenverbände wie dem Deutschen Bauernverband (DBV), dem Deutschen Raiffeisenverband (drv) und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Damit dieses Absicherungsinstrument funktioniere, seien Finanzakteure notwendig, die für ausreichend Liquidität an den Märkten sorgen. Ein Ausschluss dieser Akteure vom Handelsgeschehen – wie von einigen Nichtregierungsorganisatoren gefordert – würde die Preisabsicherungsmöglichkeiten für die Agrar- und Ernährungsbranche erheblich verschlechtern und letztlich in Frage stellen. 

Maßvolle Regelung gefordert

Die Verbände forderten deshalb maßvolle Regelungen für Warenterminmärkte im Rahmen der eu-Finanzmarktreformen, damit diese sich angemessen entwickeln können und nicht im Ansatz erstickt werden. Dabei sei mehr Transparenz über Positionen und Marktteilnehmer durchaus sinnvoll, damit die Akteure über umfassende Informationen für ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen verfügen. Positionslimits, die die Absicherungsmöglichkeiten für die Branche einschränken, lehnen die drei Spitzenverbände ab.