Innovation

Der Export als Chance

Von Michael Gneuss · 2015

Die deutsche Landwirtschaft muss im globalen Wettbewerb ihre Konkurrenzfähigkeit unter Beweis stellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr das gelingt, ist hoch. Denn die Produktivitätsfortschritte in den vergangenen Jahren waren beeindruckend und die Digitalisierung macht einen weiteren Schub möglich. Vor allem in Asien sieht der Sektor gute Perspektiven.

Ernte gut, alles gut? Nein, das gilt für die Landwirtschaft nicht. Im vergangenen Jahr konnten die deutschen Bauern mit ihren Erntemengen überwiegend zufrieden sein. Mehr Geld verdienen sie deshalb aber nicht. Weil auch in anderen Teilen der Welt hohe Ernten eingefahren wurden und der russische Markt aufgrund der Importbeschränkungen ausgefallen ist, gingen die Preise in den Keller. So ist das eben in der Marktwirtschaft, wenn die Angebotsmengen steigen und die Nachfrage sinkt. Die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse der deutschen Landwirtschaft dürften damit für das gerade abgeschlossene Wirtschaftsjahr 2014/2015 ziemlich traurig aussehen. Mit dem Preisverfall hat eine äußerst vielversprechende Entwicklung der vergangenen Jahre ein vorläufiges Ende genommen. Zuvor waren die Einkommen in den landwirtschaftlichen Betrieben ganz beachtlich gestiegen. So kletterte das durchschnittliche Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft im Wirtschaftsjahr 2013/2014 um 6,4 Prozent auf 46.394 Euro. Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor lag es noch bei 39.991 Euro. Nun aber wird befürchtet, dass der Wert wieder auf das Niveau aus den Zeiten der Rezession vor etwa sechs Jahren fällt. Mit solchen Schwankungen müssen Landwirte allerdings rechnen. Sie sind längst in der Marktwirtschaft angekommen. Die Zeiten, in denen Quoten den Alltag bestimmten, sind lange vorbei. Bauern müssen sich heute als Unternehmer im internationalen Wettbewerb behaupten. Und dort entscheidet eine Vielzahl von Faktoren über Erfolg und Misserfolg: das Wetter, Naturkatastrophen, Konjunktur, Kriege und politische Krisen. Im Agrarsektor sorgen viele Unsicherheiten für Schwankungen, die etliche andere Wirtschaftssektoren so gar nicht kennen.

Quelle: Bloomberg; FAO, 2011 (*Prognose)