Gartenbau

Der Trend geht zum Großbetrieb

Von Andrea von Gersdorff · 2015

Obst und Gemüse, Zierpflanzen und Bäume, Gartenpflege und Friedhofsgärtnereien haben eins gemeinsam: Sie sind kein Bestandteil der klassischen Landwirtschaft, sondern zählen zum Wirtschaftszweig Gartenbau, der vor allem von klein- und mittelständischen Betrieben geprägt ist. In einigen Gebieten vollzieht sich seit Jahren ein Strukturwandel.

Pflanzen erzeugen, handeln und mit ihnen arbeiten – diese drei Aspekte fasst der Begriff Gartenbau zusammen. Die überwiegend klein- und mittelständisch geprägte Branche bot im Jahr 2014 mit allen vor- und nachgelagerten Stufen fast 700.000 Menschen einen Arbeitsplatz und erwirtschaftete einen Umsatz von 78 Milliarden Euro. Kennzeichnend für den Gartenbau ist auch, dass jährlich etwa 100.000 bis 150.000 ausländische Arbeitnehmer für einige Wochen oder Monate als Saisonarbeitskräfte in gartenbaulichen Betrieben aushelfen. Diese Form der Beschäftigung ist notwendig, damit die Betriebe Arbeitsspitzen wie in der Erntezeit bewältigen können. 

Immer wieder Tomaten und Äpfel

Entsprechend der unterschiedlichen Aspekte werden mehrere Fachgebiete im Gartenbau unterschieden. Den größten Umsatz mit den meisten Beschäftigten erzielt regelmäßig der Garten- und Landschaftsbau, der sich dem Bau, der Umgestaltung und Pflege von Grün- und Freianlagen widmet. Im Jahr 2014 konnte er laut dem Zentralverband Gartenbau mit 100.000 Beschäftigten einen Umsatz in Höhe von sechs Milliarden Euro erzielen. Auf Platz zwei folgt der Garteneinzelhandel mit Blumen und Pflanzen mit einem Umsatz von 5,4 Milliarden Euro bei 90.000 Beschäftigten. Allerdings haben in den vergangenen Jahren gerade die jüngeren Bevölkerungsschichten immer weniger Schnitt- und Topfblumen gekauft. 
Das nächstgroße Fachgebiet ist der Gemüseanbau. Auf einer Gesamtfläche von 110.000 Hektar erzielten die Gemüsebauern mit 45.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Im Jahr 2014 aß jeder Deutsche im Schnitt 93 Kilogramm Gemüse. Die Tomaten liegen dabei mit etwa 25 Kilogramm pro Kopf unverändert an der Spitze. Deutlich weniger Umsatz macht der Obstbau: Die 16.500 Beschäftigten erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 400 Millionen Euro. Der Pro-Kopf-Nahrungsverbrauch von Obst hat sich 2014 gegenüber dem Vorjahr etwas erhöht und liegt nun bei 69 Kilogramm. Beliebteste Obstsorte ist der Apfel, von dem jeder Bundesbürger rund 25 Kilogramm pro Jahr verzehrt. 

Mehr Großbetriebe

Bleiben noch der Zierpflanzenbau, Staudengärtnereien, Baumschulen sowie Friedhofsgärtnereien als Dienstleister. Die Staudengärtnereien versorgen Gärten, Parks und Grünanlagen wie auch Friedhöfe mit sogenannten ausdauernden Pflanzen, im Zierpflanzenbau werden Schnittblumen, Topf-, Beet- und Balkonpflanzen erzeugt. Die rund 22.500 Beschäftigten in diesen beiden Gebieten generierten  im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Baumschulen wiederum (14.100 Beschäftigte, 1,2 Milliarden Euro Umsatz) ziehen die Gehölze für Parks, öffentliche Gärten und Privatgärten heran. Aber auch die Forstwirtschaft bezieht ihre Bäume zur Holzproduktion von den Baumschulen. 
Seit einigen Jahren ist in allen Fachgebieten, die Pflanzen erzeugen, ein Strukturwandel hin zu Großbetrieben zu verzeichnen. Vor allem im Gemüsebau macht er sich bemerkbar. Dieser Wandel ist Folge der zunehmend mechanisierten und rationalisierten Produktion, die wiederum eine kostengünstige sowie vom Kunden gewünschte einheitliche Qualität ermöglicht.