Erneuerbare Energien

Kraftwerk Bauernhof

Von Thomas Schulze · 2015

Quasi nebenbei erzeugen Landwirte auch grünen Strom und nutzen ihn für die eigene Versorgung, aber auch für einen Zuverdienst. Diese Einnahmen sind für viele Bauern zu einem festen und wichtigen Bestandteil ihrer Einkünfte geworden. Während früher stark in Biogasanlagen investiert wurde, dürfte künftig im Zubau wohl nur noch Solar- und Windkraft eine Rolle spielen.

Die Erzeugung erneuerbarer Energien ist eng mit der Landwirtschaft verknüpft: Derzeit stehen die meisten Windkraftanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen. Dächer von Ställen und Scheunen erweisen sich zudem oft als idealer Standort für Photovoltaik-Anlagen und last but not least liefern landwirtschaftliche Betriebe regelmäßig das Substrat für Biogasanlagen. Sogar für die Errichtung von Geothermieanlagen muss vielfach auf Flächen der Landwirtschaft zurückgegriffen werden. „Landwirte sind für zehn Prozent der installierten Leistung im erneuerbaren Bereich verantwortlich“, sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (aee). „Das ist doppelt so viel wie die großen vier Energieversorger.“

Investitionen sind rückläufig

Anreiz für die Landwirte war in der Vergangenheit nicht nur der Wunsch nach möglichst weitgehender Energieeigenversorgung etwa bei Stallungen. Hinzu kamen Erlöse, die sich aus der Einspeisung des selbst erzeugten Stroms in das öffentliche Stromnetz ergaben. Doch in den vergangenen Jahren sind die Fördersätze für derartige Anlagen erheblich gesunken. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Investitionen der Landwirte etwa in Biogas- und Solaranlagen ebenfalls rückläufig sind. Im Jahr 2010 investierte die Agrarwirtschaft noch den Rekordwert von 6,8 Milliarden Euro in Anlagen zur Produktion von Strom und Wärme aus grünen Quellen. Das geht aus Zahlen des Marktforschungsinstituts Produkt und Markt hervor. Bereits ein Jahr später sank das Investitionsvolumen der Branche in erneuerbare Energien auf 4,7 Milliarden Euro. 2013 betrug es dann noch 1,5 Milliarden und 2014 etwa 1,4 Milliarden Euro.

Nur Abfälle für Biogas

Vor allem beim Biogas werden weitere massive Rückgänge prognostiziert. Während 2013 noch 340 Anlagen errichtet wurden, dürften es im vergangenen Jahr nur noch etwa 100 neue Anlagen gewesen sein. Der Grund ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2014, durch das Neubauten sich nur noch in sehr speziellen Fällen rentieren. Für bereits installierte Anlagen gilt Bestandsschutz. Dennoch trifft das eeg 2014 den Agrarsektor empfindlich. Denn dort befinden sich mehr als zwei Drittel der installierten Leistung. Für die Zukunft ist die Biogasproduktion aber nicht abgeschrieben. Hoffnungen ruhen auf der nächsten eeg-Reform. Viele Energieexperten meinen, dass auf Biogas im Rahmen der Energiewende nicht verzichtet werden kann. Dennoch: Wer sich als Bauer neu auf den Energiemarkt begeben will, wird heute wohl vor allem Investitionen in Solar- oder Windanlagen prüfen. Um die Flächen zu nutzen, ist das aber eine Überlegung wert.