Moderne Zeiten

Leben auf dem Bauernhof im Wandel

Von Jürgen Ackermann · 2016

Die Landwirtschaft erlebt seit Jahren einen massiven Strukturwandel. Das geht auch am täglichen Leben der Bauern nicht spurlos vorüber. Das idyllische Leben auf dem Bauernhof ist nur noch ein Traum.

Wie war das doch gleich vor 100 Jahren auf dem Land? Klare Antwort: Es war fast alles anders! Nahezu alle Arbeiten in der Landwirtschaft wurden noch von Hand oder mit Hilfe von Nutztieren ausgeführt. Zudem waren die Flächen klein und der Bauer trat vorwiegend als Selbstversorger auf. Seine überschüssigen Waren verkaufte er auf dem Markt. Heute haben moderne Maschinen wie Mähdrescher oder Traktoren die Nutztiere von einst verdrängt. Gerade der Traktor hat sich zu einem Universalfahrzeug entwickelt, mit dem nahezu alle landwirtschaftlichen Arbeiten erledigt werden können. Und dennoch ist eines gleich geblieben: Der Beruf des Bauern bedeutet noch heute harte Arbeit und wenig Freizeit.

Starke Tendenz zu Großbetrieben

Seit Jahren unterliegt die Landwirtschaft in Deutschland einem massiven Strukturwandel. „2014 lag die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nur noch bei 283.000, die eine Gesamtfläche von knapp 17 Millionen Hektar bewirtschafteten“, heißt es im Situationsbericht 2014/15 des Deutschen Bauernverbandes. Gleichzeitig wird die Tendenz zu Großbetrieben immer deutlicher. Heute bewirtschaften zwölf Prozent sogenannter Großbetriebe – das sind Betriebe mit mehr als 100 Hektar Land – gut 57 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland. Keine Frage, dass der Landwirt von heute, das Leben auf dem Bauernhof insgesamt, nicht mehr viel gemeinsam hat mit dem Bauern von vor 100 Jahren.

„Moderne Kommunikationstechnik und verbesserte Infrastruktur haben dazu geführt, dass die Menschen auf dem Land heute genauso informiert und ausgebildet sind wie die in der Stadt“, konstatiert der aid-Infodienst (Bonn). Dies hat ganz selbstverständlich auch zu mehr Flexibilität geführt. Während in früheren Zeiten noch nahezu die ganze Familie auf dem Hof arbeitete, ist es heute zumeist nur noch der Landwirt, der mit wenigen Aushilfen den Betrieb alleine bewirtschaftet. Auch die Ehefrauen, die früher ganz in den Betrieb integriert waren, gehen heute oft ihren erlernten außerlandwirtschaftlichen Berufen nach.

Zauberwort „Effizienz“

Auch auf dem Land lautet heute das Zauberwort „Effizienz“, um rentabel zu wirtschaften. Besonders in Spitzenzeiten – etwa während der Erntezeit – muss der Arbeitstag genau durchgeplant sein. Werden Tiere gehalten, ist ein Urlaub schwierig und muss gut organisiert werden. Kälber und Ferkel müssen möglichst schnell möglichst viel zunehmen, damit sie gute Preise bringen. Besonders bei den heute extrem geringen Erzeugerpreisen kann der Landwirt Gewinn oft nur über eine ausreichende Menge erwirtschaften.

Tatsächlich ist der Beruf des Landwirtes heutzutage auch zu einem Gutteil ein Schreibtischjob. So muss der landwirtschaftliche Betriebsleiter eine Vielzahl bürokratischer Aufgaben erledigen, die in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im Zuge der eu-Agrarpolitik enorm zugenommen haben. Aufzeichnungs- und Berichtspflichten aufgrund von Vorschriften zu Genehmigungsverfahren und Kontrollen nehmen heute bis zu 25 Prozent der Arbeitszeit in Anspruch. Der Deutsche Bauernverband schätzt die Bürokratiekosten in der deutschen Landwirtschaft auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro. 

Zweiteinkommen oft sehr wichtig

Und auch das Bild der Landfrau hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Früher musste die Bäuerin in der Regel ihre ganze Arbeitskraft für den landwirtschaftlichen Betrieb einsetzen. Heute arbeiten die Frauen zwar noch häufig mit im Betrieb, viele gehen aber auch einem außerlandwirtschaftlichen Beruf nach. So ist ein zweites regelmäßiges Einkommen unabhängig von der Landwirtschaft für viele Betriebe heute sehr wichtig. Oft kümmern sich die Frauen zudem um die Buchhaltung und die gesamte Bürokratie. 

Generell ist auf dem Bauernhof von heute ein anderes Know-how notwendig als zu früheren Zeiten. So muss der Bauer neben Pflanzenbau und Bodenkunde, der tier- und umweltgerechten Haltung der Nutztiere über technische Kenntnisse der Landmaschinen verfügen. „Auch von Marktwirtschaft sollte er etwas verstehen, denn sie ist Grundlage für die Produktionsplanung“, meinen die Experten des aid-Infodienstes. Dafür müssen die betrieblichen Abläufe genau erfasst sein. Last but not least erfordert die Direktvermarktung Kenntnisse über Werbung und setzt Freude am Umgang mit Kunden voraus.