Ökologische Landwirtschaft

Mit Hightech zu mehr Nachhaltigkeit

Von Thomas Schulze · 2016

In puncto Ökologie kann die deutsche Landwirtschaft noch besser werden. Mithilfe von Hightech ließen sich Dünge- und Pflanzenschutzmittel wesentlich effizienter und umweltfreundlicher einsetzen.

Die Zeiten ändern sich – und das auch in der Landwirtschaft. „Früher übliche, harte körperliche Arbeit wird durch Hightech ersetzt“, heißt es beim Deutschen Bauernverband (DBV). Und tatsächlich: Auf Äckern, Weiden und in Ställen stehen die Zeichen zunehmend auf „Landwirtschaft 4.0“. Immer häufiger ist vom „Precision Farming“ die Rede, wenn es um Modernität und Nachhaltigkeit bei Ackerbau und Viehzucht geht.

IT-Lösungen im Fokus

Auch bei den Landwirten rücken leistungsstarke Landmaschinen sowie die IT samt GIS- und GPS-Lösungen in den Fokus. Mit innovativen Technologien und Verfahren soll die kontinuierlich steigende Nachfrage nach hochwertigen pflanzlichen und tierischen Produkten gedeckt werden. Gleichzeitig gilt es, Ressourcen zu schonen und Gefährdungen von Mensch, Tier und Umwelt zu minimieren. 
Und hier gibt es in Deutschland noch einiges zu tun. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zu dem Thema „Die nachhaltigen Entwicklungsziele der un: Sind die Industriestaaten bereit?“ zeigt etwa, dass die deutsche Landwirtschaft in Sachen Ökologie massiven Nachholbedarf hat. So sei der Einsatz von Stickstoff und Phosphor eine ernste Bedrohung für die Nachhaltigkeit der deutschen Landwirtschaft. „Eine Überproduktion von 94 Kilogramm pro Hektar der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche weist auf ein hohes Verschmutzungsrisiko für Boden, Wasser und Luft hin“, lautet eines der Kernergebnisse der Studie. 

Hohes Einsparpotenzial

Abhilfe könnte hier unter anderem der Einsatz von Hightech schaffen. So weist die Fakultät für Land- und Ernährungswirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in ihrer „Marktstudie Precision Farming“ darauf hin, dass es mithilfe von Precision Farming möglich ist, „landwirtschaftliche Produktionsabläufe exakter und optimierter durchzuführen“.
Das Fazit der Forscher: „Dies birgt ein erhebliches Einsparpotenzial in Bezug auf Arbeitszeit, Maschinenstunden und Betriebsmittel. Auch Düngemittel und Pflanzenschutzmittel können effizienter eingesetzt werden, was wiederum zu erhöhter Produkt- und Umweltqualität führt.“ Der wichtigste Vorteil, den die Landwirte erkennen würden, sei der erhoffte zusätzliche Gewinn durch das Einsparen von Einsatzmengen bei verschiedenen Pflanzenschutz- und Düngemitteln, ergänzen die Experten.

Es gibt Stolpersteine

Allerdings ist der Weg in die digitale Landwirtschaft nicht frei von Stolpersteinen. Das liegt unter anderem an der teilweise noch mangelhaften technischen Infrastruktur. „Hightech auf dem Acker oder im Stall setzt schnelles Internet voraus“, gibt zum Beispiel das Informationsportal „proplanta“ zu bedenken. Schließlich wollen die anfallenden Daten transportiert und in Echtzeit ausgewertet werden, um ihre Wirkungskraft und ihren vollen Effizienzgewinn zu entfalten. Hier ist Deutschland für „Landwirtschaft 4.0“ noch nicht hinreichend gerüstet. Der Ausbau der Glasfasernetze müsse rasch auch in den ländlichen Gebieten vorangetrieben werden. 
Ein weiteres Manko: Trotz aller Digitalisierung, Automatisierung und Prozessoptimierung lohnt sich Precision oder Smart Farming nicht für jeden Bereich der Landwirtschaft. Vor allem kleinere Betriebe haben bei diesen Punkten vielfach das Nachsehen, insbesondere wenn sie ökologischen Landbau auf kleineren Flächen betreiben. „Von daher gibt es noch viel zu tun in puncto Forschung und Entwicklung rund um die Landwirtschaft 4.0“, heißt es bei „proplanta“, denn „letztendlich soll Precision Farming helfen, in Zukunft die Ernährung der rasant steigenden Weltbevölkerung zu sichern.“