Biokunststoff

Plastik einfach unterpflügen

Von Jana Becker · 2015

Biokunststoffe bieten die Vorzüge herkömmlicher Kunststoffe, sind aber vollständig biologisch abbaubar. Anwendung finden sie deshalb vor allem im Lebensmittelbereich und in der Landwirtschaft. Doch die modernen Stoffe stehen auch in der Kritik, nicht schnell genug zu verrotten und wichtige Anbaukapazitäten für Lebensmittel zu belegen.

Jedes Jahr werfen die Deutschen etwa 5,5 Millionen Tonnen Plastik auf den Müll. Doch die Lebensmittel- und Getränkeverpackungen, die Tüten und Folien, die Becher und Flaschen landen nicht nur in der Abfalltonne, sondern auch an Straßenrändern, in Wäldern oder im Meer. Zur Zersetzung aber benötigt das erdölbasierte herkömmliche Plastik Jahrhunderte. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass sich zum Beispiel eine Kunststoffflasche oder eine Wegwerfwindel erst nach bis zu 450 Jahren vollständig zersetzt haben. Der Grund: Plastik ist biologisch „inert“, also sehr stabil und unlöslich und daher auch kaum einer Mineralisation unterworfen. So werden Mikroplastikpartikel zwar kontinuierlich kleiner, aber nicht vollständig abgebaut. Auch Mikroorganismen sind nicht in der Lage, die Kunststoffe vollständig zu zersetzen.

Plastik wird biologisch abbaubar

Dank Bioplastik soll das anders werden. Die modernen Kunststoffe bestehen bis zu 50 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke. Doch auch der petrochemisch basierte Anteil kann dank seiner speziellen Molekülstruktur von Mikroben verdaut werden. Damit gelten Biokunststoffe als kompostierbar. Doch Achtung: Viele der modernen abbaubaren Kunststoffe sind deshalb noch lange nicht für die Biomülltonne geeignet. Zwar würde sich das Material nach und nach zersetzen, das dauert bei Flaschen aber bis zu drei Monate. Für die Verwendung des Abfalls in den Kompostieranlagen ist das aber zu lang. Wichtig ist deshalb, dass die Kunststoffe der Norm en 13432 entsprechen. 

Verwendet werden die Biokunststoffe bereits in der Fertigung von Tragetaschen und Tüten, aber auch für Schalen für Gemüse, Obst, Eier und Fleisch sowie für Getränke und Molkereiprodukte. Doch auch in der Landwirtschaft und im Gartenbau werden sie immer öfter eingesetzt – zum Beispiel für Mulchfolien oder Anzuchttöpfe. Vorteil: Die Lebensdauer ist einstellbar, so verbleiben keine nicht abbaubaren Rückstände im Boden. Damit sparen Landwirte Arbeit, Zeit und auch Kosten. Denn die verrottenden Kunststoffe zersetzen sich in der Erde und werden nach Gebrauch lediglich untergepflügt. Pflanzschalen von Blumen- und Gemüsepflanzen werden gemeinsam mit Küchen- und Gartenabfällen kompostiert. 

Alternativen gesucht

Doch Bioplastik steht auch in der Kritik, angesichts der Hungersnöte der Welt wichtige Ressourcen von der Lebensmittelproduktion abzuziehen. „Wir sind längst nicht im kritischen Bereich. Unsere Branche ist noch sehr klein“, hält Kristy-Barbara Lange vom europäischen Bioplastikverband dagegen. Trotzdem seien für die stark wachsende Branche Alternativen gefragt. So erforschen die Hersteller, wie sie Bioplastik aus Pflanzenresten, wie den Blättern der Maispflanze, oder aus Lebensmittel­abfällen, wie Schalen oder Avocadokernen, gewinnen können. Auch Fettreste, die in Schlachtbetrieben liegen bleiben, könnten als zukünftige Kunststoffquelle dienen.