Wirtschaftliche Lage

Schwierige Aussichten für die Bauern

Von Wolfgang Zügel · 2016

Eine sinkende Nachfrage aus Asien, die Folgen des Russland-Embargos und die Konzentration im Handel bereiten den Bauern Sorgen. Der Verband fordert eine Exportoffensive in Drittländer.

Für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartet der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (dbv), Joachim Rukwied, eine „weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe“. Verantwortlich dafür seien stark gesunkene Erzeugerpreise, die Einbußen in Milliardenhöhe für die Landwirtschaft durch das Russland-Embargo, aber auch eine geringere Nachfrage aus bislang starken asiatischen Ländern.
„Die Wachstumschancen in den europäischen Märkten, wohin 85 Prozent der deutschen Agrarexporte gehen, sind begrenzt. Deshalb ist eine Exportoffensive notwendig, um eine Diversifikation wertschöpfungsstarker Absatzkanäle auch in Drittländern zu erreichen“, fordert Rukwied. In diesem Zusammenhang setzt sich der Bauernverband auch für politische Initiativen zur Aufhebung des Russland-Embargos ein. 
Auch die Konzentration im Handel und der damit verbundene Druck auf die Erzeugerpreise bereitet Rukwied Sorgen. „Die wettbewerbsschädliche Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel führt eindeutig zu Wertschöpfungsverlusten in der Landwirtschaft.“ So dürfe eine Übernahme der Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte durch Edeka keineswegs genehmigt werden.

Ergebnisse brechen ein

Die repräsentative Auswertung der Buchführungsergebnisse durch den Bauernverband von fast 14.000 Betrieben weist für das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2014/15 einen Einbruch der Unternehmensergebnisse um durchschnittlich 35 Prozent auf. Im Schnitt hat ein landwirtschaftlicher Betrieb 43.300 Euro Gewinn (Vorjahr 66.400 Euro) verbucht, von dem aber noch die Finanzierung von Neuinvestitionen und die Beiträge für die Sozialversicherung (in Höhe von derzeit 6.850 Euro) bestritten werden müssen. Damit erzielte ein Landwirt umgerechnet nur noch ein „Vergleichs-Bruttoeinkommen“ von monatlich etwa 2.500 Euro beziehungsweise jährlich 30.000 Euro (je Familien-Arbeitskraft). Die Betriebe mit Milchviehhaltung haben ihr Unternehmensergebnis gegenüber dem Vorjahr fast halbiert. Die Veredelungsbetriebe mit Schweinehaltung und die Ackerbaubetriebe verzeichnen bis zu einem Drittel niedrigere Ergebnisse. Lediglich die Weinbau- und Biobetriebe melden eine Aufwärtsentwicklung, so die Erhebung des Bauernverbandes.
Zu einer nicht ganz so pessimistischen Einschätzung kommt der Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, Christian Schmidt, in seinem Agrarbericht, in dem die vergangenen vier Jahre betrachtet werden. Insgesamt sei die Landwirtschaft, in der 4,6 Millionen Menschen beschäftigt sind, durchaus leistungs- und konkurrenzfähig. In den vergangenen Jahren habe sich die Einkommenslage der Landwirte zwar verbessert, diese Entwicklung werde sich in Zukunft aber nicht fortsetzen. Eine gewisse Sicherheit biete aber die Agrarförderung für die Bauern und die Pflege der Natur. Von 2014 bis 2020 stünden dafür jährlich 6,2 Milliarden Euro an Mitteln der Europäischen Union zur Verfügung.