Pflanzenzüchtung

Vom Großen zum Kleinen

Von Andrea von Gersdorff · 2015

Pflanzenzüchter bearbeiten und optimieren Pflanzen so, dass sie bestmöglich auf unterschiedlichste klimatische und regionale Bedingungen eingestellt sind. Das geht nicht von heute auf morgen, die Entwicklungen brauchen ihre Zeit. Ein Ende der Züchtung gibt es dabei nicht, denn die Natur bricht sich immer Bahn.

Die Arbeit von Pflanzenzüchtern ist eine echte Herausforderung: Mit einem weiten Blick nach vorne müssen sie voraussehen, welche Anforderungen die Pflanzen in der Zukunft erfüllen müssen. Einbezogen werden dazu auch die Wünsche von Landwirten und Endkunden. Sie müssen heute Sorten kreieren, die den Anforderungen in gut zehn Jahren Stand halten sollen, denn so lange dauert es bis zur Marktreife einer neuen Sorte.

Einheitspflanzen gibt es nicht

Während neue Merkmale von Pflanzen lange nur durch einfache Kreuzung erzeugt wurden, können heute bei jeder Pflanze zusätzlich durch biotechnologische Verfahren einzelne Gene und Zellen beeinflusst werden, um die gewünschte Eigenschaft zu erreichen. Bei der Entwicklung geht es dabei vom Großen ins Kleine. Zunächst arbeitet man am Hauptzuchtziel der Pflanze: Qualität und Ertrag. Dann erfolgt die Anpassung an die verschiedenen Klimaregionen, und zuletzt wird daran gearbeitet, bestimmte Toleranzen oder Resistenzen gegenüber Krankheiten zu erreichen. Klimaregion heißt dabei nicht nur Europa oder Afrika. Auch zwischen Nord- und Süddeutschland herrschen unterschiedliche klimatische Bedingungen, auf die man mit züchterischen Mitteln eingehen muss. 
Große Fortschritte der letzten Jahre waren dabei die Hybridzüchtung wie auch die Entschlüsselung der Genome von Pflanzen. Hybridzüchtungen entstehen durch Kreuzung zweier nahezu reinerbiger Linien einer Pflanze. Dadurch erreicht man einen positiven Effekt auf die Gesundheit, die Entwicklung und den Ertrag der Pflanze. Die Kenntnisse der Genome lässt zu, dass viel schneller als mit herkömmlichen Züchtungsverfahren gezielt einzelne Gene aktiviert oder deaktiviert werden können, wie dasjenige, das für Krankheitsresistenzen verantwortlich ist. Da diese grüne Gentechnik nicht nur in Deutschland von der Bevölkerung weitgehend abgelehnt wird, verzichten gerade kleine und mittelständische Pflanzenzüchter auf ihre Anwendung, obgleich sie einen wertvollen Beitrag zur Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung leisten könnte. 

Nicht für die Ewigkeit

Obwohl Kulturpflanzen somit durch die Pflanzenzüchtung optimal auf die Bedürfnisse der Umgebung angepasst sind, können sie nicht dauerhaft so bleiben, wie sie sind. Nicht nur wohnt jeder Pflanze ein Trieb zur natürlichen Weiterentwicklung inne, auch die äußeren Bedingungen wechseln kontinuierlich. Das Wetter kann sich langfristig ebenso ändern wie die Krankheitserreger. Was eben noch optimal war, ist dann überholt. Ertrag und Qualität der Pflanzen würden ohne Züchtungsfortschritt in kürzester Zeit zusammenbrechen. 

Quelle: LAND-DATA, 2014