Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit

Weniger Chemie im Einsatz

Von Pia Wegener · 2016

Pflanzliche Produkte bestimmen unsere Ernährung. Umso wichtiger sind Qualität und Gesundheit der Nutz- und Kulturpflanzen. Um diese garantieren zu können, werden biologische und chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Gesunde Kulturpflanzen und ertragreiche Ernten sichern die Ernährung der Weltbevölkerung und sind essenziell für Konsumenten, Produzenten und die Landwirtschaft. Schädlinge, Viren und Unkraut bedrohen die Gesundheit der Kulturpflanzen und machen den Einsatz von biologischen und chemischen Pflanzenschutzmitteln notwendig. Getreu dem Credo „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ sollen die Risiken für Mensch und Natur so gering wie möglich ausfallen. 

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland knapp 35.000 Tonnen Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln verkauft. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2011 waren es über 43.000 Tonnen. Um den Schaden für Mensch und Natur gering zu halten, gibt es strenge gesetzliche Vorgaben. So gehört der Pflanzenschutz zu den am intensivsten geregelten Bereichen innerhalb der Landwirtschaft. Seit 2014 dürfen gemäß den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes Pestizide nur dann eingesetzt werden, wenn es keine Alternativen gibt. Zudem sieht der in Deutschland verabschiedete Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bis 2023 einen Rückgang des Pestizideinsatzes um 30 Prozent vor. 

Doppelte Zulassung sorgt für Sicherheit

Für die Einhaltung der Richtlinien sorgen auch die zuständigen eu-Behörden. So stützt sich das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in den Ländern der Europäischen Union heute auf zwei Pfeiler. Wirkstoffe werden zunächst auf eu-Ebene durch die Mitgliedsstaaten und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (efsa) bewertet. Nur wenn sie hier genehmigt werden, können sie auch auf nationaler Ebene zugelassen werden. So können die Mitgliedsstaaten weiterhin nationale Besonderheiten berücksichtigen und entsprechend risikomindernde Auflagen festlegen.

Sachgerechter Umgang mit Pflanzenschutzmitteln

Trotz Fortschritten im Bereich des ökologischen Pflanzenschutzes bleibt der integrierte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln essenziell für die Gesundheit unserer Nutzpflanzen. Die dadurch erhöhte Qualität der Lebensmittel sorgt laut Professor Joseph-Alexander Verreet, Direktor des Institutes für Phytopathologie an der Universität Kiel, für eine längere Lebenserwartung der Konsumenten und für mehr Ackerflächen weltweit. Zur aktuellen Praxis gehört, den Einsatz chemischer Substanzen im Agrarbereich durch vorbeugende Maßnahmen und einen ganzheitlichen Ansatz so niedrig wie möglich zu halten: „Durch Pflanzenschutz- und andere ackerbauliche Maßnahmen wird der chemische Pflanzenschutz auf das absolut notwendige Mindestmaß beschränkt“, so der Kieler Wissenschaftler.