Agrarstandort

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Von Inken Schönauer · 2015

Einheimische Bauern haben in Deutschland zu kämpfen, sie machen aber einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung aus. Chancen für den Absatz, aber auch für zukünftiges Wachstum ergeben sich gerade im Ausland. Verändertes Konsumverhalten in den Schwellenländern eröffnet neue Möglichkeiten.

Ausgebucht. Und das schon ein Jahr vorher. Die Idylle auf dem Bauernhof ist begehrt. Wer mit Kindern Ferien auf dem Bauernhof machen will, um die lieben Kleinen davon zu überzeugen, dass die Milch und Eier nicht im Supermarkt, sondern tatsächlich von Tieren produziert werden, der muss schnell sein. Bauernhof boomt. 
Tatsächlich aber sind die Ferienmöglichkeiten auf dem Bauernhof eher ein Zusatzverdienst für Landwirte als eine stabile Ertragsquelle. Solche Einnahmemöglichkeiten sind für Bauern immer weniger gesetzt, sondern müssen Jahr für Jahr immer wieder neu erarbeitet werden – ohne Erfolgsgarantie. „Grundsätzlich hängt die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Landwirts im Besonderen auch von den Produktionskosten ab“, heißt es im Situationsbericht 2014/15 des Deutschen Bauernverbandes. 

Hohe wirtschaftliche Bedeutung

Auch wenn Bauern immer mehr zu kämpfen haben, um ihre Preise am Markt durchzusetzen, die wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors ist beträchtlich. Nach Angaben des Bauernverbandes erzielte die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei 2013 einen Produktionswert von 54,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das Textil-, Bekleidungs- und Schuhgewerbe kommt auf 22,2 Milliarden Euro, das Papiergewerbe auf 38,1 Milliarden Euro und die pharmazeutische Industrie auf 42 Milliarden Euro.
Landwirtschaft ist mehr als nur die Aufzucht von Tieren oder der Anbau von Getreide. An diesem Wirtschaftszweig sind unmittelbar andere Branchen verknüpft. Ob Betriebsmittel, Investitionsgüter oder Dienstleistungen, die Nachfrage der Landwirte nach diesen Gütern ist groß und die Bauern sind damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. 

China mit neuer Mittelschicht

Dabei endet das Geschäft der Landwirte schon lange nicht mehr an den deutschen, nicht einmal mehr an den europäischen Grenzen. „Bereits heute erlöst die deutsche Ernährungswirtschaft auf Auslandsmärkten fast jeden dritten Euro, die Landtechnikindustrie erwirtschaftet sogar drei von vier Euro im Ausland“, heißt es im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. In China beispielsweise etabliert sich eine kaufkräftige Mittelschicht, deren Konsumgewohnheiten sich auch bei Lebensmitteln ändern. 
„Zur Erschließung weltweit wachsender kaufkräftiger Märkte und der Pflege bestehender Absatzmärkte sind die überwiegend klein- und mittelständisch geprägten deutschen Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft auf fachliche und finanzielle Unterstützung angewiesen“, heißt es im Ministerium weiter. So erfordere zum Beispiel der notwendige faire Zugang zu diesen Märkten permanente Anstrengungen bei der Beseitigung von tarifären, pflanzenschutztechnischen und veterinärrechtlichen Handelshemmnissen. Das bedeutet, dass die deutsche Landwirtschaft zunehmend auch in anderen Ländern eine Rolle spielen soll und wettbewerbsfähig sein muss.