Agrarfinanzierung

Die Finanzen müssen stimmen

Von Michael Gneuss und Peter Quäl · 2017

Bei der Agrarfinanzierung hat der Landwirt die Qual der Wahl. Pflänzchen wachsen aus Münzstapeln
Investieren will gelernt sein: auch in der Landwirtschaft

Ob Einstieg in den Ökolandbau oder die Modernisierung des Landmaschinenparks: Wenn Landwirte in Deutschland investieren wollen, kommen oft öffentliche Fördermittel ins Spiel. Aber auch die Absicherung der Erträge wird immer wichtiger.

In diesem Jahr hat die Natur wieder gezeigt, wozu sie in der Lage ist – im negativen Sinne. Der Winter zu mild, zu trocken und zu sonnig, der späte April mit Frosteinbruch sowie Starkregen, Hagel und Orkan haben beispielsweise Obstbauern einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Ernteerträge drastisch verringert. Auf die neuen Risiken müssen sich die Landwirte auch in puncto finanzieller Absicherung einstellen. Das Interesse an neuen Policen ist groß. So vermeldet die Vereinigte Hagelversicherung mehr als 11.500 Neuabschlüsse für ein Produkt, das neben Hagel auch Sturm- und Stark­regenereignisse versichert. 

Der Deutsche Bauernverband sieht in dieser Hinsicht einen Lernprozess auf beiden Seiten. „Die Versicherungswirtschaft muss neue Produkte entwerfen und die Landwirte müssen lernen, diese auch richtig zu nutzen“, sagt der Sprecher des Verbandes Michael Lohse. Schließlich können Witterungsschäden schnell existenzbedrohend werden. 

Agrarfinanzierung: Förderung von Investitionen

Kurzfristige finanzielle Engpässe können auch mit öffentlichen Finanzierungshilfen überwunden werden, wenn sie durch Wetterextreme, Pflanzen- oder Tierkrankheiten ausgelöst wurden. Kann ein Unternehmen einen Ergebnisrückgang um mindestens 30 Prozent in einem Sektor nachweisen, besteht die Möglichkeit, Liquiditätshilfen zu erhalten – beispielsweise um Saatgut für das nächste Jahr zu kaufen.

Witterungsschäden können schnell existenzbedrohend werden.

Gefördert werden auch Erweiterungs- und Modernisierungsinvestitionen. Agrarbetriebe können Kredite bis zu zehn Millionen Euro für bis zu 30 Jahre erhalten. Wichtig ist, dass öffentliche Förderdarlehen nur bei den Hausbanken zu beantragen sind. In der Agrarwirtschaft handelt es sich dabei oft um Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Teilweise verfügen diese Banken auch über Kreditberater, die auf die Erfordernisse landwirtschaftlicher Betriebe spezialisiert sind.

Leasing als Alternative

Neben der klassischen Kreditfinanzierung über die Hausbanken hat inzwischen auch das Leasing als Finanzierungsform den Agrarsektor erfasst. Im landwirtschaftlichen Bereich ist dies gerade auch bei nur saisonal genutzten Maschinen eine interessante Option. Statt einen Agrarkredit aufzunehmen, um Maschinen, Anlagen oder Geräte zu kaufen, können Agrarbetriebe diese Güter auch leasen. Dabei darf der Landwirt das geleaste Objekt während der festgelegten Leasingdauer nutzen und zahlt dafür an den Leasinggeber die vertraglich vereinbarten Leasingraten. Eigentümer des geleasten Objekts bleibt der Leasinggeber. Dafür spart sich der Landwirt die Anschaffungskosten und die Kreditlinie wird geschont. Und: Der Betrieb kann die Leasingraten steuerlich absetzen.

Milchkuh auf Raten

Nicht nur Traktoren und Mähdrescher – heute lassen sich auch Milchkühe leasen. Der Grund: So eine Milchkuh ist in der Anschaffung teuer, viele Bauern können oder wollen den Anschaffungspreis nicht auf einmal bezahlen. Das Milchkuh-Leasing ist da eine praktikable Option. Die monatliche Ratenzahlung richtet sich nach den Einkünften, die mit dem Tier erwirtschaftet werden – also vor allem danach, wie viel Milch die Kuh produziert. Noch ist das Milchkuh-Leasing allerdings ein recht neues Geschäftsmodell in Deutschland.

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