Moderne Technologien

Hoffnungsträger Hightech

Von Michael Gneuss · 2017

Der Agrarsektor steht vor immensen Herausforderungen. Dennoch ist die Stimmung unter den Landwirten nicht schlecht. Die Branche ist bereit, zu investieren – gerade auch in moderne Technologien. Von der Digitalisierung versprechen sich viele Menschen auf dem Land auch die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie.

Zwei Junge Männer stehen in einem Weizenfeld und blicken in ein Tablet. Moderne Technologien bieten in der Landwirtschaft ungeahnte Chancen.

Ausgerechnet die Landwirtschaft erwies sich als ein schwieriges Kapitel, als CDU/CSU, FDP und die Grünen die Sondierungsgespräche zur Bildung einer Regierungskoalition aufnahmen. Traditioneller oder ökologischer Anbau, Tierwohl, der Einsatz von Chemikalien – der Sektor bietet etliche Themen, die schnell zu Kontroversen führen. Ein Grund ist die Fülle an Aufgaben, die die Landwirtschaft zu bewältigen hat. „Sie ist kein Selbstzweck zur Existenzsicherung der Landwirte, sondern sie ist in erster Linie die Grundlage für Ernährung, die ja immer anspruchsvoller wird“, hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt gegenüber dem Deutschlandfunk erklärt. 

Und diese Aufgabe ist eine globale Herausforderung. Im Jahr 2050 wird sich die Weltbevölkerung den Prognosen zufolge auf die Zehn-Milliarden-Marke zubewegen. All diese Menschen zu ernähren, dafür arbeitet der Agrarsektor weltweit hart. Allein in Deutschland pflegt die Land- und Forstwirtschaft dafür 29,6 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald und damit stolze 82 Prozent der Fläche der Bundesrepublik. 

Schwerstes Schadenjahr

Weltweit sind die fruchtbaren Flächen zum Anbau von Lebensmitteln jedoch knapp. Möglichst effizient und produktiv müssen Landwirte daher das zur Verfügung stehende Land bewirtschaften. Und exakt an dieser Stelle entsteht schnell ein Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie. Die Agrarwirtschaft gilt selbst als ein CO₂-Verursacher und ist gleichzeitig viel mehr als andere Branchen von einem stabilen Klima abhängig. Schon heute leidet die Ernte oft unter den wachsenden Wetterextremen. Die Vereinigte Hagelversicherung hat unlängst 2017 als das schwerste Schadenjahr der vergangenen Dekade bezeichnet. Allein das Sturmtief Paul löste im Juni Schäden auf 100.000 Hektar aus.

Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ermitteln gerade, wie stark der Agrarsektor unter dem Klimawandel leiden könnte. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Produktivität um 20 Prozent sinken wird. Reduzierte Niederschläge im Sommer und eine Abnahme der Bodenfauna gehören zu den wichtigsten Faktoren, die die Erträge sinken lassen.

Was die Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen kann, ist strittig. „Es gibt keine klimaneutrale Landwirtschaft, so wie es keine klimaneutralen Menschen gibt“, stellt Minister Schmidt fest. „Wir müssen möglichst klimaschonend arbeiten.“ Die ökologische Landwirtschaft ist dabei aber nicht per se klimafreundlicher, meint er und fordert eine „konventionelle Landwirtschaft, die nachhaltig sein muss“.

Investitionen in moderne Technologien

Als Ausweg sehen viele Landwirte Investitionen in eine Hightech-Landwirtschaft. Der deutsche Agrarsektor investiert Milliarden in die Modernisierung und Digitalisierung. Dahinter steht die Hoffnung, dass die neuen Technologien einen effizienteren, aber gleichzeitig auch ökologischen Anbau ermöglichen. Tatsächlich entwickelt sich die Agrarwirtschaft rasant zu einer digitalisierten Branche. Dank GPS-gestützter und sensorgesteuerten Landmaschinen wird die Nährstoffversorgung von Pflanzen punktgenau beobachtet und gemanagt. Der breitflächige Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln könnte so zurückgedrängt werden. Im Stall misst währenddessen die Technik die Gesundheits- und Leistungsdaten jedes einzelnen Tiers und ermöglicht so eine individuelle Betreuung.

Quelle: Bitkom, 2016

Schnelles Internet gefordert

Schon heute betreibt rund jeder zweite deutsche Landwirt Smart Farming, hat der Digitalverband Bitkom ermittelt. Sowohl der Bitkom als auch der Deutsche Bauernverband fordern nun aber von der Politik auf EU-, Bundes- und Landesebene eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, um die Entwicklung weiter forcieren zu können. Denn noch immer ist der ländliche Raum bisweilen schlecht mit breitbandigem Internet­zugang versorgt. Doch genau das ist die Voraussetzung für viele Anwendungen der Landwirtschaft 4.0. 

Und die brauchen Agrarbetriebe dringend auch hinsichtlich des Fachkräftemangels. Ein Team der Universität Gießen kommt in einer Untersuchung zum Schluss, dass neben dem Arbeitsklima, dem Gehalt und den Arbeitszeiten auch die technische Ausstattung wichtig ist, um qualifizierte Fach- und Führungskräfte an die Betriebe und an den ländlichen Raum zu binden. 

Die Digitalisierung kann zur körperlichen Entlastung beitragen und die Jobs interessanter und produktiver machen. Gleichzeitig können fehlende Arbeiter aber auch durch den Einsatz von automatisierten Prozessen – zum Beispiel mithilfe von Feldrobotern – kompensiert werden. Wie umfangreich die Digitalisierung den Sektor verändern kann, zeigt auch dies: Die Landwirte selbst können sich laut Bitkom-Umfrage vorstellen, ihre Höfe mithilfe digitaler Technologien für den Verbraucher transparenter zu machen. So glaubt knapp die Hälfte der Agrarexperten, dass in 15 Jahren Verbraucher per Webcam in die Ställe schauen und so näher an der Erzeugung ihrer Lebensmittel dran sein werden.

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