Herdenmanagement

Zum Wohl der Tiere

Von Jens Bartels · 2021

Ob vernetzte Sensortechnik, automatisierte Datenerfassung oder intelligentes Gesundheitsmonitoring: Digitale Technologien unterstützen immer mehr Bauern in der Tierhaltung. Gerade innovative Lösungen bieten große Chancen für eine nachhaltigere Landwirtschaft und tragen gleichzeitig zu einer Steigerung des Tierwohls bei.

Kuh auf der Weide wird von einem Tablet überwacht
Smarte Technologien überwachen den Gesundheitszustand der Tiere. Foto: iStock / Scharfsinn86

Digitale Lösungen gewinnen im Stall und auf dem Acker zunehmend an Bedeutung. Mehr als acht von zehn landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland setzen Smart-Farming-Technologien ein, weitere zehn Prozent planen oder diskutieren dies. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, des Deutschen Bauernverbands und der Landwirtschaftlichen Rentenbank, für die 500 Landwirte in Deutschland im vergangenen Jahr befragt wurden. Nach Überzeugung der Mehrheit der Befragten bietet die Digitalisierung große Potenziale für Umwelt, Nachhaltigkeit und Tierwohl. 81 Prozent sagen, durch digitale Technologien werde eine umweltschonendere Produktion ermöglicht. Sieben von zehn Landwirten betonen, die Digitalisierung sei prinzipiell eine große Chance für eine nachhaltigere Landwirtschaft und zwei Drittel meinen, digitale Technologien können zu einer Steigerung des Tierwohls beitragen.

Nutztierhaltung digitalisieren

Treibende Faktoren der Digitalisierung sind die effizienter werdende Datenerfassung, die Verarbeitung dieser Daten über Algorithmen oder verschiedene Formen der Künstlichen Intelligenz. Eine Schlüsselrolle spielen in diesem Zusammenhang Sensorensysteme. Sie versorgen die Tierhalter mit einer Vielzahl an Daten. In der Landwirtschaft ist ein immenser Anstieg an vernetzten Sensoren zu beobachten, die zur Effizienzoptimierung eingesetzt werden. So prognostiziert Juniper Research, dass die Zahl der Monitoring-Sensoren von 170 Millionen im Jahr 2020 auf 436 Millionen im Jahr 2025 anwachsen wird. Während etwa Sensoren für Stallklima und Lichtmanagement dem gesamten Bestand dienen, ermöglichen spezielle Sensoren ein Monitoring des Einzeltieres. Dazu gehört die Identifizierung oder die Erfassung der Aktivität einschließlich Bewegungsprofil und Fressverhalten. Sensoren können aber auch physiologische Daten wie den PH-Wert des Pansens oder die Körpertemperatur jedes einzelnen Tieres erfassen. Eine konsequente Analyse dieser Daten erlaubt verschiedenste Rückschlüsse zu Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere sowie zu weiteren produktionstechnisch wichtigen Aspekten.

Herdenmanagement: smarte Ideen für mehr Tierwohl

Zu den innovativen Beispielen in diesem Feld zählt ein Frühwarnsystem für Kälberkrankheiten. Das System erkennt ausbrechende Krankheiten bis zu drei Tage vor Ausbruch und ist ab dem ersten Lebenstag für Kälber in Einzelhaltung anwendbar. Dabei wird an jeder Kälberbox ein Sensor befestigt, der das Verhalten des Kalbes aufzeichnet. Das Sensorsystem sendet diese Daten an einen Server – ein Algorithmus wertet diese Daten aus und erkennt krankheitsanfällige Kälber. Diese Auffälligkeiten werden dem Landwirt per App als Echtzeit-Benachrichtigung an das Smartphone gesendet. So kann das betroffene Kalb frühestmöglich behandelt werden. Gezieltes Gesundheitsmonitoring führt also in diesem Fall dazu, das Verhalten der Kälber besser zu verstehen, zur Tiergesundheit beizutragen und gleichzeitig den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Klar muss also sein: Vergleichsweise kleine Verbesserungen können in den verschiedenen Bereichen der Milcherzeugung nicht nur die jährlichen Gesamtkosten von Sensoren kompensieren, sondern auch das Tierwohl sowie Rentabilität und Liquidität der Betriebe steigern.

Ammoniakemissionen verringern

Mit moderner Sensortechnik lassen sich darüber hinaus auch Ammoniak- und Nitratemissionen verringern. Immerhin verursacht die Landwirtschaft ungefähr 90 Prozent der weltweiten Ammoniakemissionen und der größte Teil davon kommt aus der Milchviehhaltung. Für die Reduzierung der Emissionen messen Experten in einem ersten Schritt die Luftzusammensetzung, Windstärke oder das Temperaturgefälle im Stall. Damit wissen sie, wie sich die Luft im Stall bewegt. In einem zweiten Schritt werden Transportprozesse für Gase, Staub und Aerosole modelliert. Anschließend lassen sich die Kuhställe entsprechend umgestalten. So können etwa dank neuartiger Fußböden Kot und Harn schnell getrennt werden. Dadurch wird die Bildung eines Enzyms eingeschränkt, dass die Produktion von Ammoniak fördert. Weiteres Potenzial versprechen zudem eine angepasste Fütterung oder der optimale Einsatz von Reinigungsrobotern.

Grafik: Was Nutztiere leisten müssen

Wussten Sie schon, dass …

… sich Kühe bei Temperaturen zwischen fünf und 15 Grad Celsius am wohlsten fühlen? Wenn die Tiere ihre Körperwärme nicht mehr in ausreichendem Maße an die Umgebung abgeben können, leiden sie unter Hitzestress. Dieses Unwohlsein erkennen Landwirte anhand einer erhöhten Atemfrequenz der Kuh. Abhilfe schafft in diesen Fällen eine optimierte Lüftung: Ventilatoren erhöhen die Luftgeschwindigkeit und verbessern den Kühlungseffekt. Auch helle und wärmegedämmte Dächer tragen zu kühleren Ställen bei.

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