Bio-Produkte versus konventionelle Lebensmittel

Tradition und Ökologie auf Versöhnungskurs

Von Claudia Harbinger · 2017

Rüben und Möhren aus biologischem Landbau: konventionelle Lebensmittel können bei der Qualität mit Bio-Produkten teils mithalten

Die Qualität von Lebensmitteln nimmt in der öffentlichen Debatte großen Raum ein. Immer mehr Menschen in Deutschland möchten genau wissen, was auf ihren Teller kommt. Das ist gut, denn aufgeklärte Verbraucher sorgen mit ihrem Kaufverhalten dafür, dass sich Standards weiter verbessern. Das Thema Innovation betrifft konventionelle und biologische Erzeugung gleichermaßen.

Die Fronten scheinen klar. Bei politischen Gesprächen über Agrarpolitik kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass traditioneller und ökologischer Landbau völlig gegeneinanderstehen. Vorgeworfen wird auf der einen Seite Massentierhaltung sowie der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern. Auf der einen Seite stehen die Bedenken aufgrund hoher staatlicher Subventionen bei geringen Erträgen.  „Unter den Landwirten wird das gar nicht so kontrovers diskutiert“, sagt Michael Lohse, Sprecher des Deutschen Bauernverbandes. Vielmehr gehe es darum, die unterschiedlichen Systeme positiv weiterzuentwickeln, indem die jeweiligen Vorteile erkannt und genutzt werden. Denn eine leistungsfähige Landwirtschaft in Deutschland brauche beide Systeme – auch, weil bisher weniger als zehn Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet werden.

Management statt Muskelkraft

Preisdruck, Effizienz und Abhängigkeit von Witterungsverhältnissen sind grundlegende Herausforderungen für alle Bauern, hinzu kommen die gestiegenen Erwartungen von Verbrauchern und strenge gesetzliche Bestimmungen. Es lohnt sich daher, genau hinzuschauen, wo sich traditioneller und ökologischer Landbau ergänzen können. So zum Beispiel bei der Vielfalt der Fruchtfolgen im Bio-Bereich und beim Einsatz moderner Maschinen und automatisierter Systeme im konventionellen Bereich. Die Digitalisierung ermöglicht mit der vielfältigen Datenerhebung zudem jedem Landwirt, die Verhältnisse auf dem Acker und im Stall immer genau im Blick zu haben.

Verbraucher wünschen sich eine Landwirtschaft, die Tierwohl, Umweltschutz und Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Verbraucher wünschen sich eine Landwirtschaft, die Tierwohl, Umweltschutz und Nachhaltigkeit berücksichtigt und dabei eine dauerhafte Versorgung mit guten und vielfältigen Lebensmitteln zu stabilen Preisen gewährleistet. Die Mehrheit legt außerdem großen Wert auf Regionalität und verlässliche Lebensmittelkennzeichnung. Verschiedene Prüf- und Gütesiegel ermöglichen es, sich bewusst für eine bestimmte Art der Lebensmittelerzeugung zu entscheiden.

Sichere Lebensmittel

Für alle Lebensmittel, die in Deutschland verkauft werden, gelten gesetzliche Vorschriften. Das betrifft auch Produkte, die aus anderen Ländern importiert werden. Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehören regelmäßige Kontrollen, die von Herstellung und Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zum Verkauf reichen. Die Behörden für Lebensmittel- und Veterinärüberwachung der Städte und Gemeinden überprüfen Betriebe und nehmen Proben, die im Labor untersucht werden. Im Fokus stehen dabei die Analyse der Inhaltsstoffe sowie die Überprüfung auf Keime, Rückstände und Schwermetalle. Hinzu kommen Regeln für die richtige Kennzeichnung von Lebensmitteln und Transparenz bei Zusatzstoffen. Im Krisenfall sorgen auf die Verpackungen gedruckte Informationen wie Produktionsdatum und Seriennummer dafür, dass betroffene Waren schnell aus dem Verkehr gezogen werden können.

Test: Bio gleichauf

Qualitativ gibt es kaum Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft, hat die Stiftung Warentest festgestellt. Aus insgesamt 85 Lebensmitteltests der vergangenen acht Jahre geht hervor, dass herkömmlich und ökologisch angebaute Produkte in Sachen Qualität vergleichbar abschneiden. In beiden Anbauarten gibt es Produkte, die „sehr gut” abschneiden, aber auch welche, die mit „mangelhaft” bewertet wurden. Bei Vollmilch und Würzölen haben Bioprodukte ihre Konkurrenz allerdings übertrumpft. Bei nativem Rapsöl schnitten konventionelle Produkte hingegen besser ab.

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