Moderner Pflanzenschutz

Ausgewogene Balance

Von Katja Reichgardt · 2015

Die Gesundheit der Kulturpflanzen ist ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft. Um Qualität und Ertrag der Pflanzen zu gewährleisten, ist mitunter der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nötig. Dabei beginnt Pflanzenschutz nicht erst mit der Anwendung von synthetischen oder biologischen Pflanzenschutzmitteln, sondern setzt bereits früher ein.

Moderner Pflanzenschutz umfasst sämtliche Maßnahmen, die zur Gesunderhaltung der Pflanzen beitragen und so einem potenziellen Befall durch Schädlinge vorbeugen. Die Maßnahmen reichen von Mischanbau bis hin zur biologischen Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen, die die Pflanzenschädlinge parasitieren oder fressen. Professor Claus Zebitz, Direktor des Instituts für Phytomedizin an der Universität Hohenheim, befasst sich mit den Auswirkungen von Schädlingen auf Kulturpflanzen und weiß um das Spannungsfeld zwischen Ertrag und Umweltbewusstsein: „Beim Pflanzenschutz sind immer sowohl die Landwirte als auch die Käufer und die Umwelt involviert. Es gilt daher, eine ausgewogene Balance zwischen Ökologie, Ökonomie und Toxikologie zu finden.“ 

So wenig wie möglich

Die Behandlung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln wird erst dann notwendig, wenn alle vorbeugenden Maßnahmen nicht ausreichen und die wirtschaftliche Schadenschwelle erreicht ist. In diesem Fall ist die Schaderregerdichte so hoch, dass der zu erwartende Schaden an den Pflanzen höher ist als die Kosten einer Intervention. Die Zeiten von willkürlichen Kalenderspritzungen sind dabei aber längst vorbei. Heute handeln Landwirte nach dem Prinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Auf diese Weise wird die Umweltbelastung weitestgehend minimiert. Einsatzmenge und -häufigkeit werden von der eu vorgeschrieben und von den entsprechenden Behörden kontrolliert. „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist gesetzlich geregelt, damit sowohl Pflanze als auch die Umwelt geschützt werden“, erklärt Zebitz. 

Pflanzenschutz als Ernährungssicherer

Doch Ernteeinbußen sind nicht der einzige Grund, Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Bei zunehmender Weltbevölkerung und gleichzeitiger Knappheit der Nahrungsmittel in weiten Teilen der Welt kommt Pflanzenschutzmitteln eine besondere Bedeutung zu, sichern sie doch die Ernährung der Weltbevölkerung. Pilze, Milben, Unkraut und andere Schädlinge können 25 bis 50 Prozent der Ernte kosten, was eine Bekämpfung mit biologischen und synthetischen Pflanzenschutzmitteln unumgänglich macht. 
An der Herstellung der Pflanzenschutzmittel sind sowohl Chemiker als auch Biologen, Toxikologen und Ökobiologen beteiligt, die die Effizienz und Umweltverträglichkeit der Mittel garantieren. Ein integrierter Pflanzenschutz kombiniert ökologisch angepasste Anbaupraktiken mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, sichert so die Ernte und trägt gleichzeitig zur Nachhaltigkeit der Landwirtschaft bei.