Landwirtschaftliche Energieversorgung

Gas geben für die Umwelt

Von Folker Lück · 2017

Auf unseren Äckern wachsen nicht nur Lebensmittel, sondern auch Biokraftstoffe. Biodiesel und Bioethanol verursachen durchschnittlich 70 Prozent weniger Treibhausgase als fossile Kraftstoffe.

Ölpflanzen wie Raps können zu einer Treibhausgasreduktion beitragen.

Biokraftstoffe sind eine große Chance für mehr Klimaschutz im Straßenverkehr. Hergestellt werden Biokraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Ölpflanzen (Raps), Getreide, Zuckerrüben oder -rohr, Wald- und Restholz, Holz aus Plantagen, speziellen Energiepflanzen und tierischen Abfällen. Auch aus Algen kann heute Biokraftstoff erzeugt werden. Mit „Bio“ ist bei Biokraftstoffen gemeint, dass sie pflanzlichen und damit biologischen Ursprungs sind. Schon der Auto-Pionier Henry Ford hatte im Jahr 1908 das damals neu vorgestellte T-Modell so bauen lassen, dass der Motor dieses allerersten „Volks-Autos“ mit Agraralkohol – dem heutigen Bioethanol – fahren kann.

Zwar musste sich Anfang des letzten Jahrhunderts noch niemand Gedanken über schädliche Treibhausgase machen, aber tatsächlich können Biodiesel und Bioethanol dazu beitragen, dass der Treibhausgas­ausstoß sinkt. Das ist auch das erklärte Ziel des Gesetzgebers: Deutschland fördert erneuerbare Kraftstoffe, indem die Mineralölindustrie verpflichtet ist, den Treibhausgasausstoß von Benzin und Diesel zu senken. Hierzu können die Mineralölunternehmen zum Beispiel Biodiesel oder Bioethanol beimischen. Im Jahr 2016 muss der Treibhausgasausstoß um 3,5 Prozent gesenkt werden, ab 2017 um vier Prozent und ab 2020 um sechs Prozent.

Guter Treibstoff­

Aber leider sind die deutschen Biokraftstoffe sehr gut. Leider? Ja, weil Biokraftstoffe heute sehr viel höhere Emissionsreduktionen erreichen als ursprünglich vom Gesetzgeber angenommen, muss die Mineralölindustrie immer weniger Biodiesel und Bioethanol einsetzen. Die beschlossene Reduzierung wird auch so erreicht. Für die Umwelt könnte also ganz einfach sehr viel mehr getan werden – wird es aber nicht! Dabei sorgt Biosprit auch für andere, positive Effekte: Bei der Herstellung von einem Liter Bioethanol aus Getreide entsteht beispielsweise zusätzlich ein Kilogramm Proteinfutter. Es kann als wertvoller Tierfutterzusatz oder als Düngemittel genutzt werden.

Gerade in der Landwirtschaft sind Reststoffe der Bioethanolproduktion auch noch für andere Zwecke sehr wertvoll: Sie können in Biogasanlagen vergoren werden. Bei den meisten Biogasanlagen wird das entstandene Gas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, die gewonnene Energie kann also auch ins Stromnetz eingespeist werden. Anstatt einen großen Anteil der Abwärme ungenutzt an die Umwelt abzugeben, könnten Biogasanlagen beispielsweise durch den Aufbau von Nahwärmenetzen einen weiteren Beitrag zu einer günstigen und umweltschonenden Energieversorgung beitragen.