Tiergesundheit

Medikamente in der Nutztierhaltung

Von Wiebke Fröhlich · 2016

Antibiotikaresistenzen haben zugenommen. Jeder Zweite glaubt, dass die Tierhaltung dafür verantwortlich ist. Dabei werden in der Nutztierhaltung immer weniger Antibiotika eingesetzt.

Antibiotika sind das wichtigste Instrument zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten. Kein Wunder also, dass 64 Prozent der Deutschen beunruhigt sind, wenn es um das Thema Antibiotikaresistenzen geht. Das geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hervor. Mehr als die Hälfte der Befragten meint, dass der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung ursächlich für die Resistenzen ist.
Tatsächlich trägt jeder Einsatz von Antibiotika – bei Mensch und Tier – zur Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen bei. In der Nutztierhaltung werden seit 2011 immer weniger Antibiotika eingesetzt. Das geht aus Erhebungen hervor, die das BfR Anfang November 2015 vorstellte. Welche Hintergründe genau dieser Trend hat, muss demnach noch erforscht werden.

Weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung 

Eine Ursache könnte ein zunehmendes Problembewusstsein der Landwirte sein. Hinzu kommen Änderungen des Arzneimittelgesetztes. Seit April 2014 müssen Tierhalter ab einer bestimmten Bestandsgröße Angaben zum Einsatz von Antibiotika machen. Zudem verabschiedete die Bundesregierung im Mai 2015 die neue Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020), mit der Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen verhindert werden sollen.
„Eine Antibiotikaanwendung ist zur Erhaltung der Tiergesundheit unerlässlich, wenn diese sorgfältig und hinsichtlich der Wirksamkeit abgesichert erfolgt. Infektionskrankheiten müssen behandelt und bekämpft werden können“, heißt es auf der Webseite des Bundeministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (bmel). Allerdings führt ein übermäßiger Einsatz dazu, dass bakterielle Infektionen bei Mensch wie Tier schwerer oder gar nicht mehr behandelbar sind, weil die Medikamente ihre Wirkung verlieren.
Daher will das BMEL möglichst auf Antibiotika verzichten und die Prophylaxe ausbauen. Das Ministerium fordert eine Verbesserung der Tierhaltung, um das Ausbrechen von Krankheiten im Vorhinein zu verhindern. Außerdem zeige die „wissenschaftliche Erfahrung deutlich, dass mit dem Einsatz von Impfstoffen der Einsatz von Antibiotika nachhaltig reduziert werden kann.“ 

BUND: Missbrauch trotz Verbot

Indes gibt es auch nach wie vor Warnungen vor Antibiotika-Missbrauch in der Landwirtschaft – so zum Beispiel weil Medikamente zur Wachstumsförderung in der Tierhaltung eingesetzt werden. Dies ist in der eu allerdings seit 2006 verboten. Kranke Tiere dürfen nur behandelt werden, nachdem ein Veterinär sie untersucht hat. 
Einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (bund) zufolge erhalten dennoch über 90 Prozent der Puten Antibiotika. „Das ist ein klares Zeichen für fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Geflügelmast“, sagt der bund-Vorsitzende Hubert Weiger. Wo Antibiotika früher ins Futter gemischt wurden, werden sie heute als Medikament verabreicht, kritisiert der Verein.