Viehwirtschaft

Mehr Tiere, weniger Bauern

Von Jürgen Ackermann · 2015

Die Bedeutung der Viehwirtschaft ist nach wie vor groß in Deutschland. Doch der Strukturwandel führt zu immer weniger Haltungen mit immer mehr Rindern und Schweinen. Sprich: Die Konzentration nimmt weiter zu. Für verbesserte Lebensbedingungen soll die „Initiative Tierwohl“ sorgen.

Derzeit leben in Deutschland 4,3 Millionen Milchkühe. Das sind nach Angeben des Statistischen Bundesamtes rund 0,2 Prozent beziehungsweise 9.000 Tiere weniger als noch vor sechs Monaten. Auch die Zahl der Milch­kuhhaltungen reduzierte sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im gleichen Zeitraum um 2,2 Prozent auf knapp 75.000. „Der Strukturwandel in der Viehhaltung hält auch nach Ende der Milchquotenregelung an“, erklären die Statistiker. 
Die Milchquote wurde 1984 von der damaligen Europäischen Gemeinschaft eingeführt, um die Milchproduktion in den Mitgliedstaaten zu beschränken. Diese Regelung lief zum 31. März 2015 aus. Doch auch schon in den vergangenen Jahren ging die Zahl der Milchkuhhaltungen bei relativ stabilen Milchkuhbeständen zurück. So sind seit 2010 knapp 19.000 Landwirte aus der Milchproduktion ausgestiegen – insgesamt hat in diesem Zeitraum ein Fünftel aller Milchkuhhalter aufgegeben. Dagegen hat sich der Bestand an Milchkühen seit 2010 sogar leicht um 2,5 Prozent erhöht. „Damit kam es zu einer immer stärkeren Konzentration bei der Milchproduktion“, so die Statistikexperten. „Während 2010 jeder Halter noch durchschnittlich 45 Milchkühe in seinem Stall stehen hatte, sind es aktuell 57 Tiere.“ Derzeit gibt es in Deutschland rund 2.600 große Milchkuhhaltungen mit mindestens 200 Tieren. Im Jahr 2010 waren es lediglich 1.800 Haltungen. 

Zahl der Rinder- und Schweinehaltungen rückläufig

Insgesamt betrachtet ist der Strukturwandel bei den Milchkühen trotz Milchquote schneller vorangeschritten als bei der Gesamtheit der Rinder. So wurden Anfang Mai 2015 in Deutschland rund 12,7 Millionen Rinder gehalten. Doch auch hier ging die Zahl der Rinderhaltungen zurück. „Innerhalb des letzten halben Jahres ist der Rinderbestand um rund 89.000 Tiere oder 0,7 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Rinderhaltungen um 2,3 Prozent auf 151.400 zurückgegangen“, so das Statistische Bundesamt. Gegenüber 2010 ist der Rinderbestand um rund 1,2 Prozent gesunken, die Zahl der Rinderhaltungen um rund 14 Prozent. 
Anfang Mai 2015 gab es nach vorläufigen Ergebnissen rund 28,1 Millionen Schweine, darunter 12,2 Millionen Mastschweine mit mindestens 50 Kilogramm Lebendgewicht. Das waren im Vergleich zum Beginn des Novembers 2014 rund 0,7 Prozent weniger Schweine und zwei Prozent weniger Mastschweine. Die Zahl der Betriebe mit Schweinehaltung ist im gleichen Zeitraum um rund 3,3 Prozent auf 25.900 gesunken.

Viehwirtschaft von Bedeutung

Die Zahlen zeigen: Trotz leichter Rückgänge kommt der Viehwirtschaft in Deutschland eine nach wie vor große Bedeutung zu. Daran ändert auch die Diskussion um Massentierhaltung nichts. Gerade in puncto Tierhaltung haben Land- und Fleischwirtschaft sowie Lebensmitteleinzelhandel zuletzt durch die „Initiative Tierwohl“ auf sich aufmerksam gemacht. So hat die Initiative ein umfassendes Programm zu objektiven Verbesserungen in der Schweine- und Geflügelhaltung
aufgelegt.